Der Abflug von Trainer Vogel

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Updated: Februar 15, 2023

Am Sonntag saß Helmut Vogel ein letztes Mal auf der Neunkirchner Trainerbank. Seine Amtszeit endet nach nur 139 Tagen. Die NÖN schlüsselt auf, was zur doch überraschenden Trennung führte.

VON MALCOLM ZOTTL

Als Schiedsrichter Thomas Bauer das Testspiel gegen Kirchschlag beendete, war es gleichzeitig der Schlusspfiff für Helmut Vogel auf der Neunkirchner Trainerbank. Unmittelbar nach dem 2:6 teilte der Vorstand dem 43-Jährigen das Ende der Zusammenarbeit mit. Doch wie kam es dazu, dass die Ära Vogel nach nicht einmal fünf Monaten ein so abruptes Ende nahm?

„Wir wollten nicht im gleichen Teich fischen, in dem alle anderen schon fischen“, sagte Obmann-Stellvertreter Günter Kautz bei der Vorstellung von Vogel Ende September. Neunkirchens Triumvirat bestehend aus Kautz, Obmann Dieter Leeb und Sektionsleiter Erich Baumgartner wollte einen neuen Impuls setzen. Dieser kam bei der Mannschaft aber nie wirklich an. „Egal wer die Nachfolge von Harald Bock antritt, wird es nicht einfach haben. Das habe ich von Beginn an gesagt. Die Chemie mit den Spielern hat einfach nicht so gepasst. Er ist zu Teilen der Mannschaft nicht herangekommen“, bestätigt Baumgartner. Dass einige Akteure gar auf Vogels Entlassung gedrängt hätten, will der Sektionsleiter so nicht sagen, aber „es hat Gespräche zwischen Teilen der Mannschaft und dem Vorstand gegeben, in denen es um ihn gegangen ist“.

Dass der fehlende Draht zum Team ausschlaggebend für die Trennung war, weiß auch Vogel: „In Teesdorf wurde mir vorgeworfen, dass ich zu freundschaftlich mit der Mannschaft umgehe. Jetzt war es das genaue Gegenteil. Wie man es macht, macht man es anscheinend falsch“, seufzt Vogel, der aber selbst schon länger ans Aufhören dachte: „Ich hatte es seit dem ersten Tag sehr schwer. Es hat intern ein paar Ungereimtheiten gegeben“, suchte der Coach schon nach der Hinrunde eine Aussprache: „Im Nachhinein hätte ich vielleicht da schon einen Schlussstrich ziehen sollen.“ Ein Missverständnis dürfte etwa die Besetzung des Co-Trainers gewesen sein. Vogel bot an, einen Vertrauten mitzunehmen. Der Verein stellte ihm aber (wie bisher) Sektionsleiter Baumgartner als Assistenten zur Seite. Das Verhältnis der beiden soll nicht das beste gewesen sein: „Aber es hat sich aus meiner Sicht deutlich gebessert. Wir haben uns zusammengerauft. Ich muss sagen, dass es mir wirklich leidtut um Helmut. Der Trainer ist halt leider das schwächste Glied. Ich wünsche ihm alles Gute für die Zukunft.“

Die sieht Vogel weiterhin auf der Trainerbank. „Ich werde die Zeit in Neunkirchen etwas sacken lassen, aber wenn was Interessantes kommt, werde ich mir das sicher anhören.“ Groll gegen seinen nunmehrigen Ex-Verein hegt Vogel trotz allem nicht: „Ich wünsche dem Team alles Gute. Es sind auch einige super Kerle drinnen und wie Dieter Leeb, die Jugendarbeit macht, ist wirklich fantastisch“, resümiert Vogel über seine nur 139 Tage andauernde Amtszeit.

Sein Nachfolger soll eine langfristigere Lösung werden. Weshalb Neunkirchen keinen Schnellschuss tätigen möchte, andererseits ist Mitte Februar die Zeit knapp. Bis auf Weiteres wird Baumgartner mit zwei Spielern das Training koordinieren. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass es schon im Laufe der Woche einen neuen Cheftrainer geben wird. Was der mitbringen muss? „Es sollte einer sein, der die Liga kennt. Das wäre ein Vorteil. Es wäre gut, wenn er eine Persönlichkeit wäre, auf die die Spieler aufschauen und er sollte für den Verein da sein“, beschreibt Baumgartner.

Sportlich sind Vogels Fußstapfen im Übrigen gar nicht klein. Nach Bocks Abschied hielt Vogel die Neunkirchner bis zum Ende der Hinrunde auf dem zweiten Platz, hatte in seinen sechs Partien sogar den etwas besseren Punkteschnitt (2,0) als sein durchaus erfolgreicher Vorgänger (1,85). So richtig angekommen, ist der Kottingbrunner in der Bezirkshauptstadt aber nie.

Erich baumgartner

Neunkirchen-Sektionsleiter über die Trennung von Coach Helmut Vogel.

Die Chemie mit den Spielern hat einfach nicht so gepasst. Er ist zu Teilen der Mannschaft nicht herangekommen.“